evcc Überschussladen: Setup-Anleitung 2026
evcc einrichten für PV-Überschussladen: Grid-Meter, Wallbox und BKW als PV-Quelle erklärt, mit der HA-Addon-Einschränkung, die kaum ein Tutorial nennt.
9 min Lesezeit Stand 16. Mai 2026
evcc (kurz für: EV Charge Controller) ist die meistgenutzte Open-Source-Lösung für PV-Überschussladen in der DACH-Community. Diese Anleitung zeigt das Setup von Grund auf, Grid-Meter, Wallbox, optionaler BKW-Eintrag, und klärt dabei ein paar Details, die in den meisten Tutorials fehlen: warum ein PV-Meter optional ist, wie ein Balkonkraftwerk als zweite PV-Quelle eingetragen wird, und was das HA-Addon wirklich leistet.
Aktuell stabile Version: evcc v0.306.3, erschienen am 8. Mai 2026 .
Was evcc macht, und was du dafür brauchst
evcc sitzt als Messer und Schalter zwischen Stromnetz, PV-Anlage und Wallbox. Es liest den aktuellen Netzmesspunkt aus, berechnet daraus den Solarüberschuss und regelt die Ladeleistung der Wallbox stufenlos, von 0 auf maximal möglichen Überschuss.
Mindest-Stack:
- Grid-Meter (Pflicht): Ein elektronisch auslesbarer Zähler am Netzanschluss. Alles andere baut darauf auf .
- Steuerbare Wallbox: Eine der >200 unterstützten Wallboxen, steuerbar via API, Modbus oder OCPP .
- Server: Raspberry Pi 4 oder neuerer, x86-Mini-PC, NAS, alles mit 64-Bit-Linux und Netzwerkzugang reicht.
- PV-Meter (optional): Nur nötig für die Erzeugungsanzeige im Dashboard. evcc berechnet Überschuss = Grid-Meter-Wert negativ; ein PV-Meter ändert daran nichts.
Das ist ein häufiges Missverständnis in Tutorials: wer nur seinen Hoymiles- oder Deye-Wechselrichter einbindet, aber keinen Grid-Meter hat, kann kein Überschussladen konfigurieren.
Grid-Meter einrichten: Shelly Pro 3EM als Startpunkt
Der Shelly Pro 3EM ist die verbreitetste Wahl im BKW-Umfeld, günstiger Einstieg, direktes evcc-Template ohne MQTT-Umweg. Die YAML-Konfiguration :
meters:
- name: grid
type: template
template: shelly-pro-3em
usage: grid
host: 192.168.1.100 # IP des Shelly Pro 3EM im Heimnetz
Wer noch keinen Shelly Pro 3EM hat oder zwischen den Modellen vergleicht: Shelly Pro 3EM vs. 3EM-63T Gen3 für BKW-Setups erklärt die Unterschiede.
Wichtig: Der Shelly Pro 3EM muss permanent über Power-Clamps am Netzanschluss messen, nicht am BKW-Ausgang. Der Grid-Meter misst, was in das Netz fließt oder aus ihm bezogen wird; das ist die Basis für evcc’s Überschuss-Berechnung.
Wallbox einbinden: Phasenumschaltung ist das entscheidende Kriterium
Für BKW-Setups mit 600–800 W PV ist Phasenumschaltung (1P/3P) das wichtigste Wallbox-Merkmal. Der IEC-61851-Standard schreibt einen Mindeststrom von 6 A vor, das ergibt 1-phasig 1,4 kW, 3-phasig 4,1 kW . Eine fest 3-phasige Wallbox kann also erst starten, wenn 4,1 kW Überschuss vorhanden sind, bei einem 800-W-BKW nahezu nie.
Wallboxen mit nativer 1P/3P-Umschaltung in evcc:
| Eigenschaft | Empfohlen (BKW) go-e Charger Gemini flex | Premium KEBA KeContact P40 | Industrie Alfen Eve Single Pro-Line | Smart-Home cFos Power Brain Solar |
|---|---|---|---|---|
| Bedingung | Firmware 052.1 oder neuer | Firmware 1.3.0+, Modbus aktivieren, PV-Modus konfigurieren | Active-load-balancing-Lizenz | Nur Solar-Variante mit Umschaltungs-Hardware |
| Sponsor-Token | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Konfigurationsaufwand | Gering | Mittel | Hoch | Mittel |
| Zum Anbieter | Ansehen | Ansehen | Ansehen | Ansehen |
Sponsor-Token: Die meisten kommerziellen Wallboxen (KEBA, Alfen, ABB und weitere) erfordern einen Sponsor-Token, der Integrationen für kommerzielle Geräte freischaltet. Das ist kein Paywall-System, evcc bleibt Open Source und frei, das Sponsoring ist freiwillig und finanziert die Entwicklung . Kosten: 4 USD/Monat oder 150 USD einmalig (Stand: Mai 2026) . Ohne Token laufen u.a. go-e (ältere API), OpenEVSE und openWB vollständig.
Die YAML-Konfiguration für einen go-e Charger Gemini flex:
chargers:
- name: wallbox
type: template
template: go-e-v3
host: 192.168.1.101
BKW als PV-Quelle eintragen
Ein Balkonkraftwerk lässt sich als zweiter PV-Meter in evcc einbinden, separat vom Hausnetz-Grid-Meter. Das ist in der offiziellen Doku wenig prominent, funktioniert aber sauber über die meters-Liste unter site .
Voraussetzung: Das BKW muss über eine API auslesbar sein, z.B. via OpenDTU (Hoymiles HM/HMS-Serie) oder AhoyDTU.
meters:
- name: grid
type: template
template: shelly-pro-3em
usage: grid
host: 192.168.1.100
- name: pv_bkw
type: template
template: opendtu
usage: pv
host: 192.168.1.102 # IP des OpenDTU
site:
title: "Zuhause"
meters:
grid: grid
pv:
- pv_bkw # BKW als PV-Quelle; weitere PV-Meter hier eintragen
Für das Überschussladen mit kleiner PV ist zusätzlich enable.threshold entscheidend. Ohne diesen Parameter wartet evcc darauf, dass der Überschuss dauerhaft den IEC-61851-Mindeststrom erreicht, bei einem 600-W-BKW praktisch nie. Mit enable.threshold: -300 startet das Laden bereits ab 300 W Überschuss :
loadpoints:
- title: "Garage"
charger: wallbox
mode: pv
enable:
threshold: -300 # startet bei 300 W Überschuss
delay: 5m # 5 Minuten Stabilisierung, verhindert Oszillation bei Wolken
disable:
threshold: 200 # stoppt bei 200 W Netzbezug
delay: 5m
Warum threshold: -300 (negativ)? In evcc ist der Grid-Wert negativ bei Einspeisung (Überschuss). Ein Wert von -300 bedeutet: “Starte, wenn das Netz 300 W oder mehr aufnimmt (Einspeisung).”
Mehr zu den physikalischen Grenzen beim Laden mit kleiner PV: E-Auto mit Balkonkraftwerk laden, Mythen und Fakten.
Lademodus wählen: PV, Min+PV oder günstigster Strom
evcc bietet drei Kernmodi :
PV-Modus: Laden nur mit Solarüberschuss. Ladung wird unterbrochen, wenn Überschuss unter den Mindeststrom fällt. Ideal wenn das Auto nur sporadisch gebraucht wird und Netzstromkosten vermieden werden sollen.
Min+PV-Modus: Laden startet sofort mit minimalem Strom (6 A / 1,4 kW), erhöht sich automatisch wenn PV-Überschuss steigt. Laden wird nie unterbrochen. Sinnvoll wenn das Auto täglich gebraucht wird und auch bei wenig Sonne Ladung akkumuliert werden soll.
Günstigster Strom (Spotpreis-Modus): evcc kombiniert PV-Überschuss mit dynamischem Tarif, lädt bevorzugt wenn PV-Strom vorhanden ist oder der Spotpreis günstig liegt. Voraussetzung: ein dynamischer Tarif wie Tibber oder aWATTar in der evcc-Konfiguration. Details dazu im Artikel Spotpreis-Strategie mit Speicher und Wallbox.
Browser-Config vs. YAML, was du seit v0.300 weißt solltest
Seit evcc v0.300 (Januar 2026) ist die Browser-basierte Konfiguration stabil und der empfohlene Weg für neue Setups . Grid-Meter, Wallbox, Fahrzeuge und Ladepunkte lassen sich vollständig über die Web-UI einrichten, ohne Terminal und ohne YAML-Datei anlegen zu müssen.
Was noch YAML erfordert: Tarife und Prognosen, Lastmanagement, Benachrichtigungen. Für ein Standard-Setup mit Grid-Meter + Wallbox reicht die Browser-Config vollständig aus.
Die YAML-Snippets in dieser Anleitung sind als Referenz für Fortgeschrittene gedacht, für das initiale Setup startet man unter http://<evcc-ip>:7070/config.
evcc als Home Assistant Addon vs. Standalone
Das HA-Addon evcc-io/hassio-addon existiert und lässt sich aus dem Community-Add-on-Store installieren. Wichtige Einschränkung: Das evcc Core-Team unterstützt HA-Addon-Setups nicht offiziell, bei Problemen bist du auf Community-Hilfe angewiesen .
Für produktiven Dauerbetrieb empfiehlt das Projekt Standalone: Linux-Systemdienst, Docker-Container oder dedizierter Raspberry Pi. Das hat einen weiteren Vorteil: evcc bleibt lauffähig, wenn Home Assistant neu startet oder aktualisiert wird.
HA-Integration trotzdem möglich: Die ha-evcc-Integration von marq24 (Community-Plugin) verbindet jeden evcc-Standalone-Server mit Home Assistant über REST, Ladezustand, Lademodus und Steuerung als HA-Entitäten, unabhängig von der Installationsmethode . Wer Speicher und Wechselrichter bereits via HA eingebunden hat, findet einen guten Einstieg unter Anker SOLIX in Home Assistant integrieren.
Checkliste vor dem ersten Live-Betrieb
- Grid-Meter liefert plausible Werte (positiv bei Netzbezug, negativ bei Einspeisung)
- Wallbox in evcc erkannt, Ladestatus korrekt (verbunden / nicht verbunden)
- Fahrzeug eingetragen oder generisches Fahrzeug-Profil gewählt
- Lademodus auf PV oder Min+PV gesetzt
-
enable.thresholdundenable.delayfür BKW-Setup gesetzt (falls kleine PV) - Test: Ladevorgang manuell auslösen, Watt-Regelung beobachten
- Sponsor-Token eingegeben, falls Wallbox ihn erfordert
Fazit
evcc ist das robusteste Open-Source-Werkzeug für PV-Überschussladen, und seit v0.300 auch ohne YAML-Kenntnisse einrichtbar. Der entscheidende Punkt für BKW-Besitzer: Grid-Meter zuerst, dann Wallbox mit 1P/3P-Umschaltung. Ohne Phasenumschaltung bleibt die Mindestlast bei 4,1 kW und ein 800-W-BKW allein reicht nie zum Starten. Mit enable.threshold: -300 und einer umschaltfähigen Wallbox läuft echtes Überschussladen auch mit kleiner Balkonanlage.