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PV-Lastverschiebung: Geräte, Timer und HA-Automation

Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler, BWWP: Watt-Profile, Timer vs. Smart-Steuerung und HA-Automatisierung, mit konkreten kWh-Werten für dein Balkonkraftwerk.

8 min Lesezeit Stand 17. Mai 2026

Lastverschiebung ist die günstigste Methode, die Eigenverbrauchsquote eines Balkonkraftwerks um +10–15 Prozentpunkte zu steigern , ohne Speicher, ohne großen Umbau. Die Frage ist nicht ob, sondern welches Gerät wie gesteuert werden sollte. Dieser Artikel geht eine Ebene tiefer als der Stufenplan Eigenverbrauchsquote: Watt-Profile, Timer-Tauglichkeit, konkrete Automatisierungslogik.

Geräte-Matrix: Timer-tauglich vs. smart-nötig

Die wichtigste Entscheidung vorab, denn die Automatisierungstiefe bestimmt den Aufwand:

GerätkWh/LaufWatt-PeakTimer-tauglich?Smart-Steuerung nötig?
Waschmaschine 40°C0,5–0,8 kWh2.000–2.500 WSommer: jaGanzjährig: ja
Waschmaschine 60°C1,0–1,5 kWh2.000–2.500 WSommer: jaGanzjährig: ja
Wäschetrockner1,5–4,0 kWh2.000–3.500 WJaNein
Geschirrspüler (Eco)0,5–0,8 kWh800–1.200 WJaNein
Geschirrspüler (Normal)1,0–1,5 kWh1.200–2.000 WJaNein
BWWP1,5–4,5 kWh/Tag500–800 WNeinSG-Ready / Relais
E-Bike0,3–0,6 kWh/Lauf80–150 WJaNein

Waschmaschine und Trockner: Wann reicht ein Timer, wann braucht es mehr?

Trockner zuerst: Mit 1,5–4,0 kWh pro Lauf ist der Wäschetrockner der größte Einzelhebel bei der Lastverschiebung . Da Trockner kein laufendes Programm abbrechen, wenn der Strom unterbrochen wird (sie starten einfach neu), ist eine smarte Steckdose wie ein Shelly Plug S oder ein einfacher Zeitplan ausreichend. Empfohlene Startzeit: gegen 12 Uhr, wenn das PV-Plateau typischerweise seinen Höchststand erreicht hat .

Waschmaschine, die Wiederanlauf-Falle: Das Problem ist nicht die Steuerung, sondern die Hardware. Wenn der Strom unterbrochen wird (z.B. durch Shelly-Schaltung bei Bewölkung), können viele Waschmaschinen das laufende Programm nicht fortsetzen, der Lauf muss manuell neu gestartet werden. Nur Geräte mit Stromausfall-Wiederanlauf-Funktion sind für Shelly-basierte Überschuss-Steuerung geeignet . Viele Geräte unter 600 € haben diese Funktion nicht, vor dem Kauf prüfen.

Timer-Strategie im Sommer: Wer im April–September eine feste Startzeit (10 Uhr Waschmaschine, 12 Uhr Trockner, 14 Uhr Geschirrspüler) setzt, deckt die Hauptproduktionszeit gut ab und muss sich um keine Automatisierung kümmern .

Winter-Stolperfalle: Derselbe Timer löst im Januar Geräte aus, während das BKW kaum 150 W produziert. Das Gerät läuft zwar, aber der Eigenverbrauchseffekt geht gegen null, und Netzstrom wird teuer bezogen. Wer ganzjährig optimieren will, braucht einen Überschuss-Trigger, der erst bei definierter PV-Produktion (z.B. 500 W) auslöst. Das funktioniert per Shelly-Szene oder als Home-Assistant-Automatisierung.

Geschirrspüler: Der einfachste Einstieg

Der Geschirrspüler ist das kompromissloseste Lastverschiebungs-Gerät: Er läuft durch, ohne dass ein Programmabbruch relevant wäre, hat einen moderaten Anlaufstrom und passt mit 0,5–1,5 kWh pro Lauf auch in Tage mit mittlerer PV-Produktion . Eine smarte Steckdose mit Verbrauchsmessung und ein fester Tageszeitplan reichen vollständig aus.

Bei BSH-Geräten (Bosch, Siemens, Neff) lässt sich über die Home Connect API in Home Assistant ein echter Überschuss-Trigger realisieren, der Geschirrspüler startet automatisch, wenn PV-Produktion und Akkustand stimmen. Einschränkung: Programmparameter (Temperatur, Intensität) lassen sich via HA nur lesen, nicht setzen, Start/Stop ist das, was die API erlaubt .

Boiler und Brauchwasserwärmepumpe: Thermische Batterie für BKW-Überschuss

Die Brauchwasserwärmepumpe (BWWP) ist konzeptionell ideal für Überschuss-Nutzung: Sie zieht 500–800 W aus dem Netz , das passt gut zur Einspeiseleistung eines 800-W-BKW. Der Warmwassertank wirkt als thermische Batterie: Energie wird bevorratet, wenn die Sonne scheint, und ohne Komfortverlust bis zu 6–12 Stunden später genutzt .

Zum Vergleich: Ein klassischer Heizstab (Boiler) zieht 2–3 kW, das übersteigt die BKW-Ausgangsleistung deutlich und führt dazu, dass der Großteil des Stroms aus dem Netz bezogen wird. Für die BKW-Skala ist die BWWP die sinnvollere Wahl.

Jahresverbrauch BWWP (4-Personen-Haushalt): 1.071–1.212 kWh/Jahr bei einer Jahresarbeitszahl von 3,0–3,8 .

Steuerung: Moderne BWWPs haben einen SG-Ready-Eingang (potentialfreies Relais), den man per Shelly 2PM oder ähnlichem Relais schalten kann. Die Community-Implementierung mit Home Assistant ist gut dokumentiert . Wer bereits einen Shelly Pro 3EM im Verteilerkasten hat, nutzt den Überschuss-Sensor als Trigger für das SG-Ready-Relais.

E-Bike und Werkzeug-Akkus: Kleines Potenzial, aber null Aufwand

E-Bike-Akkus (typisch 400–625 Wh) laden mit 80–150 W, das liegt deutlich unter dem, was ein 800-W-BKW an einem klaren Mittag produziert. Eine smarte Steckdose mit Tageszeitplan (12–15 Uhr) reicht vollständig.

Jahrespotenzial: Bei 200 Ladevorgängen und 80–125 Wh Ladung aus PV-Überschuss summiert sich das auf 80–125 kWh/Jahr . Das ist kein Gamechanger, aber ohne nennenswerten Aufwand realisierbar, und jede Kilowattstunde weniger aus dem Netz zählt.

Home-Assistant-Automatisierung: Schwellwert-Logik und Fallstricke

Wer über feste Timer hinaus gehen will, braucht einen Überschuss-Sensor als Trigger. Typischer Aufbau mit Shelly Pro 3EM als Netzmesser (neue Template-Syntax ab HA 2026.06, Details im Shelly-Pro-3EM-Artikel):

# Automatisierung: Waschmaschine bei PV-Überschuss starten
automation:
  - alias: "Waschmaschine PV-Überschuss"
    trigger:
      - platform: numeric_state
        entity_id: sensor.netzleistung_saldiert
        below: -500   # Einspeisung > 500 W (negativer Wert = Einspeisung)
        for:
          minutes: 5  # Hysterese: nicht bei kurzen Wolkenlücken auslösen
    condition:
      - condition: time
        after: "09:00:00"
        before: "16:00:00"
    action:
      - service: switch.turn_on
        target:
          entity_id: switch.waschmaschine_shelly

Empfehlung

Wer neu anfängt: Geschirrspüler mit Tageszeitplan ist der einfachste Einstieg, null Risiko, sofort wirksam. Zweiter Schritt: Trockner auf 12 Uhr legen. Wer ganzjährig maximieren will: Shelly Pro 3EM als Überschuss-Sensor + HA-Automatisierung, das bringt den größten Hebeleffekt, speziell in den Übergangsmonaten.

Die Brauchwasserwärmepumpe lohnt sich nur, wenn ohnehin ein Warmwassererzeuger erneuert werden muss, dann aber ist sie für BKW-Setups deutlich besser geeignet als ein Heizstab.

Für den nächsten Schritt, Überschuss-Automatisierung in Home Assistant einrichten, hilft der Home-Assistant-Übersicht mit allen Integrationsartikeln.

Passende Hardware

Shelly · Empfehlung

Shelly Pro 3EM

Funktion
Netzsensor (3-Phasen)
Max. Strom
120 A
Use-Case
Überschuss-Trigger
Anbindung
MQTT + HA

Fundament für ganzjährig dynamische Steuerung

Drei-Phasen-Saldierung möglich

Elektriker-Einbau Pflicht

Native Saldierung fehlt, HA-Template nötig

Shelly

Shelly Plug S

Funktion
Smart Plug
Last
bis ca. 2.500 W
Use-Case
Trockner, eBike, Geschirrspüler
Anbindung
MQTT + HA

Plug-and-play, ohne Elektriker

Mit Verbrauchsmessung für Fertig-Erkennung

Nicht für Waschmaschinen ohne Wiederanlauf

Nur Ein/Aus, keine stufenlose Regelung

Shelly

Shelly PM Mini Gen3

Funktion
Verbrauchsmessung
Bauform
Mini, hinter UP-Dose
Use-Case
Gerätespezifische Messung
Anbindung
MQTT + HA

Kleinstes Modul für versteckten Einbau

Stündliche Verbrauchsmessung pro Gerät

Nicht schaltbar (nur messen)

Installation in UP-Dose erforderlich

Sources:

Häufige Fragen

Reicht ein simpler Zeitplan für die Waschmaschine oder brauche ich Home Assistant?
Im Sommer (April–September) reicht ein fester Timer auf 10–11 Uhr für die meisten Haushalte. Im Winter läuft der Timer ins Leere, weil die Solarproduktion in diesem Fenster oft unter 200 W bleibt. Wer ganzjährig optimieren will, braucht einen Überschuss-Trigger per Shelly oder Home Assistant.
Wie viel kWh kann ich pro Tag durch Lastverschiebung gewinnen?
Ein realistischer Haushalt mit Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler gewinnt an einem sonnigen Sommertag 2–4 kWh zusätzlichen Eigenverbrauch. Über das Jahr summiert sich das auf +10–15 Prozentpunkte Eigenverbrauchsquote.
Lohnt sich eine Brauchwasserwärmepumpe nur wegen der Lastverschiebung?
Nein, die Hauptmotivation sollte die Energieeinsparung gegenüber einem klassischen Heizstab sein (COP 3,0–3,8 statt 1,0). Die Lastverschiebbarkeit (6–12 Stunden ohne Komfortverlust) ist ein zusätzlicher Bonus, der mit BKW-Überschuss besonders gut harmoniert.
Was ist der Mindest-Überschuss, ab dem ich ein Gerät einschalten sollte?
Als Faustregel gilt: Schwellwert knapp über dem Eigenverbrauch im Standby-Betrieb. Für Waschmaschinen und Geschirrspüler hat sich 200–400 W als praxistauglicher Wert etabliert (nicht 100 W, weil kurze Wolken das Gerät sonst ständig an- und abschalten). Für die Brauchwasserwärmepumpe reichen 500 W als Startbedingung.
Welche Geräte brauchen zwingend eine API (smart) und welche funktionieren mit Shelly-Schaltung?
Geschirrspüler und Brauchwasserwärmepumpen (SG-Ready) sind rein smart-plug- bzw. relais-tauglich. Waschmaschinen nur, wenn sie eine Stromausfall-Wiederanlauf-Funktion haben, Geräte ohne diese Funktion stoppen das Programm dauerhaft bei Stromunterbrechung. Trockner sind in der Regel timer-tauglich. BSH-Geräte (Bosch/Siemens/Neff) lassen sich über Home Connect als echte API ansprechen.
Warum scheitert der feste 11-Uhr-Timer im Winter?
Im Dezember und Januar produziert ein 800-W-BKW in Deutschland zwischen 10 und 12 Uhr oft weniger als 100–150 W, zu wenig, um eine Waschmaschine mit 2.000–2.500 W Anlaufspitze sinnvoll zu versorgen. Der Timer startet das Gerät trotzdem, aber der Eigenverbrauchseffekt ist minimal. Ein Überschuss-Trigger, der erst bei 500+ W PV-Produktion auslöst, vermeidet das.