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Notstrom & Blackout

Notstrom-Checkliste: Was bei Blackout zählt

Notstrom Checkliste Haushalt: A/B/C-Verbraucher-Tabelle, Anlaufstrom-Falle beim Kühlschrank und realistische Speicher-Laufzeiten für 24–72h Blackout-Vorsorge.

10 min Lesezeit Stand 17. Mai 2026

Wer bei einem Stromausfall nicht im Dunkeln sitzt, hat sich vorher konkret vorbereitet, nicht “irgendwie”. Diese Checkliste liefert eine strukturierte A/B/C-Verbraucher-Tabelle mit realen Wattzahlen, erklärt die Anlaufstrom-Falle beim Kühlschrank und zeigt, welche Laufzeiten ein Balkonkraftwerk-Speicher realistisch schafft. Außerdem: der Unterschied zwischen echtem USV-Ausgang und manueller Notstromsteckdose, eine Unterscheidung, die in den meisten Ratgebern fehlt.

Was du in den nächsten 24h vorbereiten kannst

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, sich für mindestens 3 Tage, idealerweise 10 Tage selbst versorgen zu können . Die konkreten Mindestanforderungen laut BBK-Checkliste:

  • NINA-App installiert und eingerichtet (offizielle Warn-App des BBK)
  • Powerbank aufgeladen, Smartphones und Laptops laden regelmäßig
  • Batterie- oder Kurbelradio für Behördenmitteilungen ohne Strom
  • Bargeld im Haus (Geldautomaten und Kartenterminals funktionieren nicht)
  • Heizalternative für den Winter: Gasheizer, Ethanolkamin oder Campingkocher mit ausreichend Treibstoff; dazu einen Kohlenmonoxid-Warnmelder
  • Haltbare Lebensmittel für den Mindestvorrat
  • Balkonkraftwerk-Speicher auf hohem SOC halten, wer dynamische Tarife nutzt, sollte den Min-SOC für Blackout-Reserve kennen (dazu mehr im Artikel SOC-Targets optimieren)

Verbraucher-Klassen A/B/C: Was wirklich zählt

Nicht alle Geräte sind gleich kritisch. Die folgende Einteilung hilft bei der Prioritätsplanung:

KlasseGeräteTypische LeistungAnlaufstrom-Risiko
A, KritischRouter, Smartphone-Laden, LED-Notbeleuchtung, Medizingeräte (CPAP, Insulinkühlung)5–50 WGering
B, SituationsabhängigKühlschrank, Heizungspumpe (modern), Gefriertruhe (erste 24h oft entbehrlich)5–150 WHoch (Kühlschrank)
C, Sofort abschaltenWaschmaschine, Spülmaschine, Trockner, E-Herd, Backofen, Durchlauferhitzer1.500–8.000 WSehr hoch

Gefriertruhe, oft entbehrlicher als gedacht: Ein voller Gefrierschrank hält ohne Strom 24–48 Stunden ohne nennenswerten Qualitätsverlust, ein halbvoller deutlich weniger. In den ersten 24h muss der Gefrierschrank deshalb nicht aktiv versorgt werden, das entlastet den Speicher erheblich.

Anlaufstrom-Falle: Kühlschrank und Reiner Sinus

Der häufigste Fehler bei der Notstrom-Planung: Die Nennleistung des Kühlschranks als einzige Größe verwenden. Ein Haushaltskühlschrank mit 150 W Nennleistung zieht beim Anlaufen des Kompressors das 3- bis 6-fache, also bis zu 900 W Spitzenleistung . Zwei Konsequenzen:

  1. Reiner-Sinus-Wechselrichter Pflicht: Modifizierter Sinus (wie ihn günstige Wandler erzeugen) überfordert Kompressormotoren und kann sie langfristig beschädigen. Jeder Speicher, der den Kühlschrank zuverlässig betreiben soll, braucht einen reinen Sinuswechselrichter.

Namhafte Powerstations setzen in der Regel reinen Sinus ein, günstige No-Name-Wechselrichter oft nicht.

  1. Peak-Leistung prüfen: Die angegebene Speicher-Dauerleistung reicht nicht als Orientierung. Bei einer Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 mit 2.000 W Dauerlast und 4.000 W Peak ist der Kühlschrank problemlos, bei einem Speicher mit 800 W Dauerleistung und 1.200 W Peak kann der Anlaufstrom die Schutzabschaltung auslösen.

USV-Ausgang vs. manuelle Notstromsteckdose

Dieser Unterschied ist architekturkritisch und wird in fast keinem Ratgeber erklärt:

Manuelle Notstromsteckdose / “Backup-Steckdose”: Bei Netzausfall gibt es eine kurze Unterbrechung von typischerweise mehreren Sekunden bis Minuten, bis der Nutzer das Kabel umsteckt oder der Speicher manuell aktiviert wird. Router startet neu, Verbindung weg, bis er wieder hochfährt (45–90 Sekunden je nach Gerät). Für Geräte die eine Unterbrechung tolerieren: ausreichend.

Echter USV-Ausgang (<20ms Umschaltzeit): Der Speicher schaltet automatisch und nahezu unterbrechungsfrei auf Batteriebetrieb um. Router, NAS und CPAP-Beatmungsgeräte merken den Übergang nicht. Die Umschaltzeit liegt bei Offline-USV-Systemen bei 6–20 ms, bei Online-USV bei nahezu 0 ms .

Welche Speicher einen echten USV-Ausgang mit <20ms-Garantie mitbringen, zeigt der Artikel Welche Speicher haben echten USV-Ausgang? .

Realistische Laufzeiten: Was dein Speicher schafft

Für einen 3-Personen-Haushalt, der nur A- und kritische B-Verbraucher betreibt, ergibt sich folgendes Tagesverbrauchsprofil :

GerätLeistungStunden/TagTagesverbrauch
Router10 W24h240 Wh
3× LED-Notlicht3× 5 W4h60 Wh
Kühlschrank (Ø-Kompressor-Laufzeit)50 W Ø24h1.200 Wh
3× Smartphone-Laden~10 Wh je,30 Wh
Gesamt~1.530 Wh/Tag

Daraus ergeben sich folgende Laufzeiten je Speichergröße (ohne Solar-Nachladung, 80% nutzbarer SOC als Annahme):

SpeicherkapazitätNutzbare EnergieLaufzeit ohne Solar
1 kWh (Powerstation Basis)~800 Wh~0,5 Tage
2 kWh~1.600 Wh~1 Tag
2,68 kWh (Anker Solarbank 3)~2.150 Wh~1,4 Tage
5 kWh~4.000 Wh~2,6 Tage

Mit Solar-Nachladung (800 W Anlage, im Sommer ca. 3–5 kWh/Tag bei gutem Wetter) verlängert sich die Autonomie auf mehrere Tage, das BBK-Ziel von 3 Tagen ist dann erreichbar. Im Winter bei schwacher Einstrahlung ist die Nachladung deutlich geringer und sollte nicht als Puffer eingeplant werden.

Winter vs. Sommer: Warum die Saison entscheidend ist

Ein Blackout im Winter ist deutlich anspruchsvoller als im Sommer:

  • Heizungspumpe wird zum B-Priorität-Gerät: Ohne Pumpe zirkuliert das Wasser bei einer Gasheizung nicht, die Wohnung kühlt aus. Wer eine alte Pumpe (60–140 W) hat, muss diesen Verbrauch in die Kalkulation einrechnen, das verdoppelt den Tagesverbrauch im obigen Beispiel.
  • Solar-Nachladung ist im Dezember/Januar auf wenige Stunden reduziert, die erzeugte Energie liegt oft unter 500 Wh/Tag bei einem 800-W-Setup.
  • Licht wird länger gebraucht (mehr Stunden Dunkelheit).

Im Sommer dagegen reicht oft ein mittlerer Speicher mit Solar-Nachladung, um auch 72h komfortabel zu überbrücken, vorausgesetzt der Kühlschrank ist der einzige B-Verbraucher.

Häufigste Fehler bei der Blackout-Vorbereitung

1. Normales BKW ohne Speicher als Notstromquelle einplanen: Ein Standard-Balkonkraftwerk ohne Speicher liefert bei Netzausfall keinen Strom. Der Wechselrichter schaltet per VDE-AR-N 4105 automatisch ab . Nur Geräte mit explizitem Insel- oder Off-Grid-Modus können ohne Netz arbeiten.

2. Kühlschrank-Nennleistung als Peak-Leistung verwenden: Siehe Anlaufstrom-Abschnitt oben, die Spitze liegt beim 3- bis 6-fachen der Nennleistung.

3. Notstromsteckdose mit USV verwechseln: Wer einen Router am Laufen halten will, braucht einen Speicher mit echtem USV-Ausgang unter 20ms, nicht nur eine Backup-Steckdose.

4. Heizungspumpe falsch einschätzen: Moderne Pumpe 5–7 W, alte Pumpe bis 140 W, ein 20-facher Unterschied, der die komplette Speicherkalkulation verändert.

5. Gefrierschrank sofort versorgen: In den ersten 24h hält ein voller Gefrierschrank ohne Strom. Diese Zeit kann genutzt werden, um den Speicher zu schonen und Prio-A-Verbraucher sicher zu versorgen.

Empfehlung

Für ein BKW-optimiertes 24–72h-Notstromsetup braucht es drei Dinge: einen Speicher mit ≥2 kWh nutzbarer Kapazität und Reiner-Sinus-Wechselrichter, einen Speicher mit echtem USV-Ausgang wenn Router und NAS unterbrechungsfrei laufen sollen, und eine vorbereitete Verbraucherliste die C-Geräte klar ausschließt. Wer seinen SOC dauerhaft auf einem hohen Niveau hält, ist bei einem unerwarteten Ausfall sofort handlungsfähig, die passenden Min-SOC-Strategien für dynamische Tarife zeigt der Artikel SOC-Targets optimieren.

BKW-Speicher · Empfehlung

Anker SOLIX Solarbank 3 E2700

2,7 kWh nominal

Dauerlast
2.000 W
Peak
4.000 W
Backup-Steckdose
1.200 W
Standard-Profil
ca. 1,4 Tage

Genug Peak für Kühlschrank-Anlaufstrom

Direkt in BKW-Setup integriert

Backup-Steckdose ohne dokumentierte USV-Schaltzeit

Im Altbau-Winter knapp

Powerstation 1 kWh

Anker SOLIX C1000

1.056 Wh LiFePO4

Dauerlast
1.800 W
Peak
2.400 W
Sinuswelle
rein
Use-Case
Mobile Reserve

Reiner Sinus für Kompressormotoren

Mobile Notstrom-Reserve neben BKW-Speicher

Reicht ohne Solar nur ~0,5 Tage Standard-Profil

Kein Hausnetz-Backup über Steckdose hinaus

Powerstation 5 kWh

EcoFlow DELTA Pro 3

ca. 4 kWh ab Modul

Dauerlast
4.000 W
Sinuswelle
rein
Erweiterbar
modular bis &gt;10 kWh
USV-Schaltung
EcoFlow-typisch langsam

Hohe Dauerlast für mehrere Verbraucher parallel

Modular auf 72h+ ausbaubar

Höchster Preis im Vergleich

Schaltzeit nicht USV-tauglich für Router/NAS

Den vollständigen Überblick über alle Speicher-Modelle mit Notstrom-Fähigkeiten gibt es im Notstrom: Übersicht und im Speicher-Hub. Wer das Balkonkraftwerk netzunabhängig betreiben möchte, findet die Grundlagen im Artikel Inselbetrieb mit Balkonkraftwerk. Eine weitere Backup-Option für mobile Szenarien erklärt V2L: Vehicle-to-Load mit dem BKW nutzen.

Häufige Fragen

Wie lange hält ein 2-kWh-Speicher bei einem Stromausfall?
Bei einem 3-Personen-Haushalt mit kritischen Geräten (Router, 3 LED, Kühlschrank, 3 Smartphones) liegt der Tagesverbrauch bei ca. 1.530 Wh. Ein 2-kWh-Speicher reicht also knapp 1,3 Tage ohne Solar-Nachladung. Mit tagsüber verfügbarer PV-Leistung verlängert sich die Laufzeit deutlich.
Kann ich meinen Kühlschrank mit dem Balkonkraftwerk-Speicher betreiben?
Ja, aber nur wenn der Speicher einen Reiner-Sinus-Wechselrichter hat und ausreichend Peak-Leistung bietet. Der Kompressor zieht beim Anlaufen das 3- bis 6-fache der Nennleistung, also bis zu 900W Spitze bei einem 150W-Gerät. Speicher ohne genug Peak-Power starten den Kompressor nicht oder schalten ab.
Was empfiehlt das BBK für die Notstrom-Vorsorge?
Das BBK empfiehlt, sich für mindestens 3 Tage, idealerweise 10 Tage selbst versorgen zu können. Konkret: NINA-App installiert, aufgeladene Powerbank, batteriebetriebenes Radio, Bargeld (Geldautomaten funktionieren nicht), haltbare Lebensmittel und eine alternative Heizquelle für den Winter.
Welche Geräte sollte ich bei einem Stromausfall zuerst abschalten?
Alle C-Verbraucher sofort vom Notstromnetz trennen: Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner, E-Herd, Backofen. Diese ziehen 1.500–8.000W und entleeren jeden Haushaltsspeicher in Minuten. Dann B-Verbraucher prüfen: Heizungspumpe nur bei moderner Hocheffizienzpumpe (5–7W) sinnvoll.
Funktioniert mein Balkonkraftwerk ohne Netz?
Nein, ein Standard-BKW ohne Speicher liefert bei Netzausfall keinen Strom. Der Wechselrichter schaltet per VDE-AR-N 4105 automatisch ab, um Monteure vor gefährlicher Rückspeisung zu schützen. Nur Speicher mit explizitem Insel- oder USV-Modus können ohne Netz arbeiten.
Reicht eine Powerbank für 72 Stunden?
Für Smartphones und ein Kurbelradio ja, aber nicht für Kühlschrank oder Router. Eine 100-Wh-Powerbank lädt etwa 3–4 Smartphones voll. Für einen Router (10W × 72h = 720 Wh) braucht es deutlich mehr Kapazität. Für 72h echte Versorgung ist ein stationärer Speicher ab ~2 kWh oder eine Powerstation ab ~1,5 kWh sinnvoll.