Marstek Venus E mit Tibber: Anleitung 2026
Marstek Venus E Gen 3 mit Tibber verbinden: AI-Modus einrichten, SOC-Grenzen per Workaround setzen, und wann Anker SOLIX die bessere Wahl ist.
8 min Lesezeit Stand 16. Mai 2026
Der Marstek Venus E Gen 3.0 hat einen eingebauten KI-Modus, der Echtzeit-Spotpreise von Nord Pool, Tibber und Octopus Energy in die Ladeplanung einbezieht . Was nach einer einfachen Plug-and-play-Lösung klingt, bringt in der Praxis aber konkrete Einschränkungen mit. Diese Anleitung zeigt das vollständige Setup, und erklärt klar, wo Marstek gegenüber Anker SOLIX und EcoFlow zurückbleibt, damit du vor dem Kauf weißt, worauf du dich einlässt.
Marstek Venus E: Welche Modelle, welche Funktionen
Marstek verkauft aktuell drei Generationen des Venus E:
| Modell | Kapazität | AC-Leistung | KI-Modus / Spotpreis | Modbus |
|---|---|---|---|---|
| Venus E (Original) | 5,12 kWh | 0,8 kW | Nicht dokumentiert | Community-Integrationen (RS485) |
| Venus E Gen 2.0 | 5,12 kWh | 0,8–2,5 kW | Nicht dokumentiert | Community-Integrationen (RS485) |
| Venus E Gen 3.0 | 5,12 kWh | 0,8–2,5 kW | Ja (Marstek-App) | RS485, ab Firmware v144 auch TCP |
Diese Anleitung fokussiert auf den Venus E Gen 3.0. Wer ein älteres Modell betreibt, landet sowieso bei Home Assistant + Modbus, dazu weiter unten.
Voraussetzungen
- Hardware: Marstek Venus E Gen 3.0, installiert und mit dem Heimnetz verbunden (WLAN, alternativ LAN via RS485-Adapter)
- Marstek-App: Aktuelle Version auf iOS oder Android
- Kein Tibber-Vertrag erforderlich für den AI-Modus, Marstek zieht Preisdaten direkt aus öffentlichen Spotpreisquellen, ohne Account-Login. Ein aktiver Tibber-Tarif ist dennoch sinnvoll, wenn du Tibbers Endpreis (inkl. Steuern und Netzentgelt) als Referenz für deine Wirtschaftlichkeit nutzen willst, der AI-Modus optimiert auf den EPEX-Rohpreis, nicht den Tibber-Endpreis
- Optional: CT002 Smart Meter (79 €, separates Zubehör) für Live-Hausverbrauchsdaten
Schritt 1: Marstek-App einrichten und Speicher verknüpfen
- Marstek-App installieren und Account anlegen.
- Gerät hinzufügen: ”+” → Typ “Venus E Gen 3.0” → QR-Code auf dem Gerät scannen oder Seriennummer eingeben.
- WLAN-Zugangsdaten eingeben (2,4 GHz, WPA2). Der Venus E unterstützt nur 2,4 GHz.
- Nach erfolgreichem Pairing erscheint der Speicher im Dashboard mit aktuellem SOC und Ladestand.
Schritt 2: KI-Modus mit Spotpreisquelle aktivieren
Der AI-Modus ist die Kernfunktion für Spotpreis-Optimierung. So aktivierst du ihn:
- Im Dashboard deinen Speicher antippen → “Betriebsmodus”.
- Modus auf “KI-Optimierung” (oder “AI Optimization”) stellen.
- Im darauffolgenden Einstellungsdialog: Region und Preisquelle wählen. Verfügbar: Nord Pool, Tibber, Octopus Energy, je nach Land und Marktverfügbarkeit.
- Postleitzahl oder Region bestätigen. Die App lädt daraufhin Spotpreis-Kurven für die nächsten 24 Stunden.
Wichtiger Unterschied zu Anker SOLIX: Es gibt keinen OAuth-Login-Flow. Du verknüpfst keinen Tibber-Account, die App zieht öffentlich verfügbare Preisinformationen. Das bedeutet: Tibbers aufbereiteter Endpreis (mit Netzentgelt und Steuern) wird nicht berücksichtigt. Der AI-Algorithmus arbeitet mit dem EPEX-Rohpreis. Wenn dein Tibber-Tarif stark von EPEX abweicht (z. B. durch einen fixen Aufschlag), kann die Optimierung suboptimal sein. Der Vergleich aller nativen Tibber-Integrationen zeigt, wie Marstek dabei gegenüber Anker abschneidet.
Schritt 3: CT002 Smart Meter einbinden (empfohlen)
Ohne Smart Meter kennt der Venus E den aktuellen Hausverbrauch nicht. Das CT002 liefert diese Daten über drei Phasen, für Nulleinspeisung und präzisere Laststeuerung.
- CT002 am Verteilerkasten montieren: Stromwandler an allen drei Phasen am Einspeisepunkt anklemmen.
- CT002 in der Marstek-App unter “Smarte Geräte” → “Smart Meter hinzufügen” verknüpfen.
- Nach Verknüpfung zeigt das Dashboard Live-Netzbezug und -einspeisung.
Das CT002 kostet 79 € und ist nicht im Lieferumfang enthalten . Für Setups mit Home Assistant ist das CT002 nicht nötig, dort liest du den Netzbezug direkt über deinen Zähler aus (IR-Lesekopf oder Shelly 3EM).
Schritt 4: SOC-Targets, Einschränkungen und Workarounds
Hier weicht Marstek am stärksten von Anker und EcoFlow ab.
Was in der Marstek-App nicht direkt möglich ist:
- Kein frei konfigurierbarer Min-SOC-Wert in der App
- Das Hardware-Minimum liegt bei 11 % SOC, darunter entlädt der Venus E nicht
- Im KI-Modus entscheidet der Algorithmus selbst, wie weit er entlädt
Workaround über Home Assistant (empfohlen für >11 % Entladetiefe):
SOC über MQTT abfragen. Wenn SOC den Ziel-Wert (z. B. 20 %) erreicht: Modus von “Automatik” auf “Manuell” schalten, das stoppt die Entladung. Morgens zurück auf “Automatik” .
# Home Assistant Automation (vereinfacht)
alias: "Marstek: Entladen stoppen bei SOC <= 20"
trigger:
- platform: numeric_state
entity_id: sensor.marstek_soc
below: 21
action:
- service: select.select_option
target:
entity_id: select.marstek_betriebsmodus
data:
option: "Manuell"
evcc-Nutzer: Max-SOC-Problem beachten:
Der Parameter maxsoc in der evcc-Konfiguration wird beim Netzladen ignoriert, der Speicher lädt auf 100 %, egal welches Limit gesetzt ist. Das Issue #23585 ist im evcc-Repository als “not planned” geschlossen . Wer das Max-SOC-Limit braucht, muss Grid-Charging in evcc deaktivieren und nur PV-Überschuss-Laden nutzen. Hintergrund zu SOC-Targets allgemein: SOC-Targets feintunen.
Schritt 5: Home Assistant + Modbus (erweiterte Steuerung)
Wer vollständige Kontrolle über Ladeplanung und SOC-Grenzen will, bindet den Venus E Gen 3 lokal über Modbus TCP in Home Assistant ein. Kein Cloud-Zwang, keine Marstek-App nötig.
Voraussetzung: RS485-zu-Ethernet-Adapter (z. B. Waveshare) am RS485-Port des Venus E. Ab Firmware v144 ist Modbus TCP über LAN auf Port 502 verfügbar, in der Praxis berichten Community-Nutzer aber noch von Verbindungsproblemen (nur eine gleichzeitige Verbindung möglich), weshalb RS485 via Adapter derzeit die stabilere Option ist .
Einbindung in HA:
# configuration.yaml
modbus:
- name: marstek
type: tcp
host: 192.168.1.xxx # IP des Waveshare-Adapters oder direkt Venus E ab FW v144
port: 502
Über mehr als 40 Modbus-Register lassen sich SOC (Adresse 32104), AC-Leistung (32202) und Betriebsmodus (42010/42020/42021) lesen und schreiben . Damit ist dynamische SOC-Grenzsteuerung und Nulleinspeisung möglich, unabhängig von der Marstek-App.
Eine detaillierte Anleitung mit vollständigen YAML-Dateien für alle Register hat du.nkel.dev veröffentlicht .
Drei häufige Konfigurationsfehler
1. Tibber-Endpreis ≠ EPEX-Rohpreis, Optimierung läuft im falschen Preisfenster. Der AI-Modus optimiert auf den Rohpreis aus Nord Pool / EPEX Spot. Wer Tibbers Tarif mit hohem Fixaufschlag hat, bemerkt, dass der Speicher in Stunden lädt, die auf Rohpreis-Basis günstig sind, auf Tibber-Endpreis-Basis aber nicht. Lösung: Entweder den AI-Modus akzeptieren wie er ist (funktioniert bei Tarifen mit linearem Aufschlag gut), oder auf HA/evcc + Tibber-API umsteigen für präzise Endpreis-Steuerung.
2. Netzladen in evcc aktiviert mit maxsoc-Limit gesetzt, Speicher lädt trotzdem auf 100 %.
Bekanntes Issue, kein Fix geplant. Wer evcc für Grid-Charging nutzt, deaktiviert maxsoc und akzeptiert Vollladen, oder schaltet Netzladen in evcc aus und überlässt das dem AI-Modus der Marstek-App.
3. CT002 nicht eingebunden, AI-Modus optimiert blind. Ohne Hausverbrauchsdaten kennt der Venus E den aktuellen Laststatus nicht. Der AI-Modus entlädt dann potenziell in Stunden, in denen kein Verbrauch vorhanden ist (z. B. nachts), und speist ein. Das ist verschwendete Kapazität. CT002 oder HA mit IR-Lesekopf einbinden, damit der Speicher auf Lastverfolgung reagiert.
Marstek vs. Anker SOLIX vs. EcoFlow: Wer wählt was?
| Eigenschaft | Speicher Marstek Venus E Gen 3 | Speicher Anker SOLIX Solarbank 3 | Speicher EcoFlow Stream Ultra |
|---|---|---|---|
| Preis (Stand 2026-05) | ca. 1.029–1.099 € | ca. 999 € | ab ca. 549 € (1,92 kWh) |
| Tibber-Login (OAuth) | Nein | Ja | Nein |
| Spotpreis-Quelle | EPEX-Rohpreis | Tibber-Endpreis | EPEX-Rohpreis (TOU-Modus) |
| Max-SOC Netzladen | Eingeschränkt (evcc-Bug) | Funktioniert | Funktioniert |
| Min-SOC in App | Nicht direkt setzbar (11 % HW-Min) | Direkt setzbar | Direkt setzbar |
| HA/Modbus Integration | Sehr gut (Community-dokumentiert) | Möglich (Community) | Möglich |
| Plug-and-play Tibber | Nein | Ja | Nein |
| Zum Anbieter | Ansehen | Ansehen | Ansehen |
Marstek wählen, wenn: Home Assistant läuft sowieso, du die Modbus-Einbindung selbst machen kannst, und Preis wichtiger ist als eine fertige App-Integration.
Anker SOLIX wählen, wenn: Tibber-OAuth-Login, sauber funktionierende SOC-Grenzen und minimaler Konfigurationsaufwand Priorität haben. Die Anker SOLIX Tibber-Anleitung zeigt das Setup im Detail.
EcoFlow Stream wählen, wenn: Der TOU-Modus mit EPEX-Rohpreis ausreicht und du ggf. Tibber Pulse bereits hast. Die EcoFlow Stream Tibber-Anleitung erklärt die Unterschiede.
Den Überblick über alle Speicher mit nativer Tibber-Unterstützung gibt es im Vergleichsartikel. Alle Speicher-Themen im Speicher-Übersicht.