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Tibber Pulse IR: Lohnt sich die Hardware?

Tibber Pulse IR: Lohnt sich der 99,95-€-Lesekopf wirklich? Drei Kriterien entscheiden, mit konkreten Alternativen wie Shelly Pro 3EM und ESPHome.

6 min Lesezeit Stand 16. Mai 2026

Der Tibber Pulse IR ist ein 99,95-Euro-Lesekopf, der deinen digitalen Stromzähler per Infrarot ausliest und Echtzeit-Verbrauchsdaten an die Tibber-App schickt . Klingt simpel, aber die Frage, ob er sich lohnt, hängt von drei Faktoren ab: welchen Zähler du hast, welchen Speicher, und was du von der Tibber-Integration erwartest.

Was ist der Tibber Pulse IR genau?

Der Pulse IR besteht aus zwei Teilen: dem Lesekopf selbst, der magnetisch am Infrarot-Port des Zählers haftet, und einer Bridge, die per WLAN die Daten in die Cloud schickt. Beide sind im Lieferumfang enthalten . Der Lesekopf überträgt alle zwei Sekunden Leistungswerte und alle zehn Sekunden den Zählerstand .

Was der Pulse kann:

  • Echtzeit-Hausverbrauch in der Tibber-App anzeigen (positive und negative Leistung, also auch Einspeisung)
  • Live-Daten an kompatible Speicher-Apps liefern (z. B. EcoFlow für Nulleinspeisung)
  • Viertelstunden-genaue Abrechnung ermöglichen, bis das Smart Meter Gateway übernimmt

Was der Pulse nicht kann:

  • Spotpreise anzeigen, das geht ohne Pulse per App
  • Speicher autonom nach Spotpreis steuern, das übernimmt die Speicher-App selbst (via Tibber-API)
  • Mit analogen Ferraris-Zählern funktionieren, die haben keinen IR-Port

Wann du den Pulse brauchst

Digitaler Zähler ohne Gateway, Hauptanwendungsfall

Wer eine moderne Messeinrichtung (mME) hat, also einen digitalen Zähler ohne Smart Meter Gateway, bekommt von Tibber ohne Pulse keine Echtzeit-Verbrauchsdaten. Ohne diese Daten rechnet Tibber auf Basis des abgelesenen Zählerstandes ab. Wer wirklich dynamisch und verbrauchsgenau abrechnen will, braucht entweder ein iMSys oder den Pulse .

EcoFlow Stream: Hausverbrauchssteuerung ohne Home Assistant

Für den EcoFlow Stream Ultra funktioniert die Nulleinspeisung-Logik über Tibber Pulse: Der Pulse liest den Zähler, schickt Live-Leistungswerte in die Tibber-App, die EcoFlow-App empfängt diese und regelt die Einspeisung des Stream entsprechend. Ohne Pulse oder Shelly-Einbindung fehlt dem Stream der Hausverbrauch als Steuerungsgröße . Das ist keine Spotpreis-Optimierung, sondern Laststeuerung, aber für Nutzer ohne Home Assistant der direkteste Weg. Die vollständige Einrichtung beschreibt der Artikel EcoFlow Stream Tibber-Integration einrichten.

Echte Spot-Prognose mit Hausverbrauchsdaten

Wenn du Spot-Charging ernsthaft optimieren willst, also nicht nur “lade wenn günstig”, sondern “lade genau so viel, wie ich morgen früh vermutlich verbrauche”, verbessern Live-Hausverbrauchsdaten die Prognosequalität. Das ist relevant, sobald du einen Speicher mit KI-EMS betreibst, der Verbrauchshistorie einbezieht. In der Praxis ist der Effekt bei einfachen Balkonkraftwerk-Setups (800 W, 1,6 kWh Speicher) marginal; ab 5 kWh Speicher und Wallbox/Wärmepumpe wird er spürbarer. Wie du SOC-Ziele für solche Setups konkret konfigurierst, zeigt der Artikel SOC-Targets beim Balkonkraftwerk-Speicher optimieren.

Wann du den Pulse nicht brauchst

iMSys (Smart Meter Gateway) vorhanden

Wer bereits ein intelligentes Messsystem hat, bekommt Verbrauchsdaten direkt über das Smart Meter Gateway zu Tibber übermittelt, ohne Pulse, ohne Bridge, ohne WLAN-Abhängigkeit am Zähler. Die Übertragung ist laut Tibber “sehr zuverlässig und weniger fehleranfällig” als die WiFi-abhängige Bridge . Der Pulse wäre dann allenfalls noch für Echtzeit-Visualisierung sinnvoll (Gateway liefert Daten mit Verzögerung), aber nicht für die Abrechnung.

Nur Spotpreis-Anzeige gewünscht

Tibbers Spotpreiskurve für die nächsten 24 Stunden ist ohne jede Hardware über die App zugänglich. Wer nur wissen möchte, wann der Strom günstig ist, braucht dafür keinen Pulse.

Speicher mit eigener Cloud-API-Integration

Speicher wie die Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 oder die Marstek Venus E Gen 3 holen sich Spotpreise direkt per Tibber-API, der Pulse ist für die Spotpreis-gesteuerte Lade-/Entladelogik überflüssig. Die Anker SOLIX Tibber-Einrichtung zeigt das konkret: OAuth-Login in der SOLIX-App, fertig.

Alternativen zum Tibber Pulse

Eigenschaft

Smart-Meter-Lesegerät

Tibber Pulse IR

Smart-Meter-Lesegerät

Shelly Pro 3EM

Smart-Meter-Lesegerät

everHome EcoTracker

Smart-Meter-Lesegerät

ESPHome + IR-Lesekopf

Preis (ca.) 99,95 € (mit Tibber-Vertrag) ab 75 € 99 € ca. 30 €
Offenheit Cloud-abhängig lokal, MQTT, REST lokal (Gerät-zu-Gerät) vollständig lokal
Home Assistant via Tibber-API Direkt Nein Nativ
Besonderheit Plug & Play, Tibber-spezifisch 3-Phasig, DIN-Schiene, kein Tibber-Konto nötig Herstellerübergreifend (31 Hersteller), keine Spotpreis-Logik DIY, kein Cloud-Zwang, Bastelbedarf
Zum Anbieter Ansehen Ansehen Ansehen n/a
Tibber Pulse IR vs. Shelly Pro 3EM vs. everHome EcoTracker vs. ESPHome (Smart-Meter-Auslese-Hardware)

Shelly Pro 3EM ist die stärkste Alternative für alle, die Home Assistant betreiben oder planen: lokal, drei Phasen, kein Cloud-Konto nötig, MQTT-nativ. Der Nachteil: Einbau im Sicherungskasten (Elektriker empfohlen), und die Tibber-App bekommt keine Echtzeit-Daten, das läuft dann über HA/evcc .

ESPHome + IR-Lesekopf (~30 €) ist der günstigste Weg für technisch Versierte: Lesekopf an den Zähler-IR-Port, ESP32 flashen, YAML konfigurieren, Daten direkt in Home Assistant. Kein Cloud-Konto, keine WLAN-Bridge, Sekunden-Auflösung . Einschränkung: kein direkter Tibber-App-Feed, wer Tibber-native Speicherintegration will, braucht die Pulse-Bridge oder einen anderen Cloud-Weg.

everHome EcoTracker unterstützt 31 Hersteller (Wechselrichter und Speicher von Growatt, Hoymiles, Marstek, Zendure u. a.) und bietet Hausverbrauchssteuerung, aber keine Spotpreis-Logik . Für EcoFlow-Stream-Nutzer ist seit April 2026 eine direkte Integration verfügbar . Wer zusätzlich Spotpreis-Steuerung will, braucht evcc oder Home Assistant.

Preis und Verfügbarkeit

Tibber-Kunden zahlen 99,95 €, Nicht-Kunden 139,95 €, direkt im Tibber-Store. Im Lieferumfang sind Pulse-Lesekopf und Bridge enthalten. Die Verfügbarkeit war in der Vergangenheit phasenweise eingeschränkt; Stand Mai 2026 ist der Pulse im Tibber-Store gelistet. Wer noch keinen Tibber-Tarif hat: der Tarif selbst hat keine Mindestlaufzeit .

Empfehlung

Pulse kaufen lohnt sich, wenn mindestens eines dieser Kriterien zutrifft:

  • Du hast einen digitalen Zähler (mME) ohne iMSys und willst echte Viertelstunden-Abrechnung bei Tibber.
  • Du betreibst einen EcoFlow Stream und willst Nulleinspeisung ohne Home Assistant.
  • Du willst Live-Hausverbrauch in der Tibber-App und hast kein iMSys.

Pulse weglassen ist sinnvoll, wenn:

  • Ein iMSys (Smart Meter Gateway) bereits eingebaut ist oder bald kommt.
  • Du einen Anker SOLIX Solarbank 3 oder Marstek Venus E Gen 3 betreibst, die brauchen für die Spotpreis-Logik keinen Pulse. Mehr dazu im nativen Tibber-Support-Vergleich.
  • Du Home Assistant betreibst und lieber zum offeneren Shelly Pro 3EM greifst.
  • Du dir Tibber-unabhängige Flexibilität bewahren willst (z. B. für einen späteren Wechsel zu aWATTar).

Den Überblick über alle Balkonkraftwerk-Speicher mit Tibber-Kompatibilität gibt es im Speicher-Übersicht.

Häufige Fragen

Kann ich Tibber nutzen, ohne den Pulse zu kaufen?
Ja. Tibber funktioniert als dynamischer Tarif ohne Pulse, du bekommst Spotpreise, zahlst aber zum Schluss nach Schätzung oder Zählerstand, nicht nach 15-Minuten-Intervallen. Spotpreis-Anzeige und die Strompreis-API (für Speicher-Integrationen) stehen ohne Pulse zur Verfügung.
Funktioniert der Tibber Pulse auch mit einem Ferraris-Zähler?
Nein. Der Pulse IR setzt einen digitalen Zähler mit freigeschaltetem Infrarot-Port voraus (mME oder iMSys). Analoge Ferrariszähler haben keine IR-Schnittstelle.
Brauche ich den Pulse noch, wenn ich ein iMSys (Smart Meter Gateway) habe?
Für die Abrechnung nicht, das iMSys übermittelt Verbrauchsdaten zuverlässig über das Smart-Meter-Gateway zu Tibber. Für Echtzeit-Verbrauchsdaten (< 2 Sekunden Latenz) kann der Pulse trotzdem sinnvoll sein, weil das Gateway die Daten mit Verzögerung bereitstellt.
Welche Speicher brauchen den Pulse für die Tibber-Integration?
Keiner der aktuellen Hersteller macht Pulse zur Pflicht für die Grundintegration. EcoFlow Stream nutzt Pulse für lokale Hausverbrauchssteuerung; Anker SOLIX Solarbank 3 und Marstek Venus E Gen 3 integrieren Tibber ohne Pulse. Details im Vergleichsartikel.
Was ist der Unterschied zwischen Pulse IR und Pulse Link?
Pulse IR liest per Infrarot-Schnittstelle an modernen digitalen Zählern. Pulse Link ist die ältere Variante für bestimmte Scandinavia-Zähler mit M-Bus-Schnittstelle. In Deutschland ist Pulse IR der relevante Typ.
Was kostet der Pulse für Nicht-Tibber-Kunden?
139,95 €, ohne aktiven Tibber-Stromvertrag. Mit aktivem Vertrag: 99,95 €.