go-e Charger Gemini: Überschussladen mit BKW
go-e Charger Gemini mit Balkonkraftwerk: Modell-Wahl, go-e Controller vs. evcc vs. Home Assistant, Schritt für Schritt mit konkreten Kostentabellen.
9 min Lesezeit Stand 16. Mai 2026
Der go-e Charger Gemini ist für BKW-Setups die interessanteste Wallbox im DACH-Markt, wegen einer Eigenschaft, die für 800-W-Anlagen entscheidend ist: automatische 1P/3P-Phasenumschaltung. Dieser Artikel klärt, welches Modell passt, welcher der drei Integrationswege (native App, evcc oder Home Assistant) für welches Setup sinnvoll ist, und welche Fallen dabei lauern.
Welches go-e Modell für BKW-Setups?
Die aktuelle Gemini-Produktlinie hat vier Varianten, von denen zwei für den Heimgebrauch relevant sind:
| Eigenschaft | Empfohlen Gemini flex (v1) | Premium Gemini flex 2.0 |
|---|---|---|
| Preis (ab) | €559 | €631 (22 kW) / €639 (11 kW) |
| Neu in 2.0 | n/a | LTE-SIM (5 Jahre frei), V2X-ready |
| Für BKW sinnvoll? | Ja, volles PV-Feature-Set | Nur bei LTE-Fallback-Bedarf |
| Zum Anbieter | Ansehen | Ansehen |
Die 2.0-Version bringt eine integrierte SIM-Karte (LTE Cat-1), ein LED-Display und ist V2X-ready nach ISO 15118 . Wichtig zu V2X: “V2X-ready” bedeutet hardwareseitig vorbereitet, nicht aktiviert. Bidirektionales Laden (V2H, V2G) ist beim Gemini 2.0 Stand Mai 2026 nicht verfügbar, kein Nutzen für das BKW-Setup heute.
Für das reine PV-Überschussladen gibt es zwischen v1 und 2.0 keinen funktionalen Unterschied: beide unterstützen 1P/3P-Phasenumschaltung, OCPP 1.6j und Modbus TCP . Wer kein LTE-Fallback braucht, kauft den Gemini flex v1 und spart rund €80.
Die 1P/3P-Phasenumschaltung: warum sie für BKW entscheidend ist
Das 6A-Mindestladegesetz nach IEC 61851 setzt je nach Phasenkonfiguration unterschiedliche Startgrenzen :
- Einphasig: 6 A × 230 V = 1,4 kW Mindestlast
- Dreiphasig: 6 A × 230 V × 3 = 4,1 kW Mindestlast
Ein 800-W-BKW kann eine dreiphasig fest verdrahtete Wallbox alleine nie starten, 4,1 kW Überschuss aus 800 W PV sind physisch nicht möglich. Der Gemini schaltet automatisch auf einphasigen Betrieb, sobald der Überschuss unter 4,1 kW liegt, und senkt damit die effektive Startgrenze auf 1,4 kW. Das ist der entscheidende Unterschied zu Wallboxen ohne 1P/3P-Umschaltung.
Weg 1: Natives Überschussladen mit der go-e App + go-e Controller
Die einfachste Methode ohne Heimserver: der go-e Controller (CH-30-01, €249) misst per sechs mitgelieferten CT-Clamps (Stromwandler, 100 A klappbar) am Netzanschluss und steuert die Ladeleistung des Gemini hardware-basiert.
Wie der Controller misst: Die Stromwandler klemmen auf alle drei Phasen am Netzanschluss. Der Controller berechnet daraus den Überschuss und signalisiert dem Charger, wie viel Strom er laden darf. Wechselrichter-API? Nicht nötig. Hoymiles, Deye, Huawei, der Controller ist wechselrichter-unabhängig, weil er am Netzmesspunkt ansetzt, nicht an der PV-Quelle.
Was die native App (ohne Controller) nicht kann: Die go-e App allein reicht nicht für automatisches Überschussladen. Ohne Messung am Netzpunkt weiß die App nicht, wie viel Überschuss vorhanden ist. Der Controller ist die Messkomponente, die diese Lücke schließt.
Wann dieser Weg sinnvoll ist:
- Kein Heimserver vorhanden oder gewünscht
- Setup soll wartungsarm bleiben
- Kein Interesse an evcc-Konfiguration
Einschränkungen: Der Controller unterstützt keinen Spotpreis-Modus und keine Einbindung externer PV-Daten (z.B. OpenDTU). Er optimiert ausschließlich anhand des Netzmesspunkts, was für reines Überschussladen ausreicht, aber keine Tarif-Optimierung erlaubt.
Weg 2: evcc-Integration (HTTP API v2)
evcc bindet den go-e Charger Gemini über die lokale HTTP API v2 ein . Voraussetzungen:
- Firmware 052.1 oder neuer auf dem Charger (Update über go-e App)
- Lokale API v2 aktivieren in der go-e App unter Einstellungen → Erweitert → “Lokale API v2 erlauben”
- “Ausstecken simulieren” aktivieren in der go-e App unter Menüpunkt “Auto”, ohne diese Einstellung funktioniert die 1P/3P-Phasenumschaltung unter evcc nicht zuverlässig
Sponsor-Token: Für den go-e Charger Gemini ist in der evcc-Integration ein Sponsor-Token erforderlich . Kosten: 4 USD/Monat oder 150 USD einmalig.
Die YAML-Konfiguration für evcc:
chargers:
- name: wallbox
type: template
template: go-e-v3
host: 192.168.1.101 # IP des go-e Charger im Heimnetz
Als Grid-Meter für evcc eignet sich ein Shelly Pro 3EM , die Einbindung ist im Artikel Shelly Pro 3EM für BKW-Setups beschrieben. Das BKW selbst lässt sich als zweiten PV-Meter in evcc eintragen (z.B. via OpenDTU für Hoymiles-Wechselrichter), das ist kein Steuerpfad, sondern ein Monitoring-Eintrag für das evcc-Dashboard. Details zum vollständigen evcc-Setup einschließlich BKW-Eintrag und enable.threshold-Konfiguration: evcc Überschussladen: Setup-Anleitung 2026.
Vorteil gegenüber nativem Weg: evcc bietet den Min+PV-Modus (Laden startet sofort bei Mindestleistung, BKW-Überschuss reduziert den Netzanteil) und Spotpreis-Integration für dynamische Tarife, der native go-e Controller kann beides nicht.
Weg 3: Home Assistant ohne evcc (lokale REST-API)
Wer bereits Home Assistant betreibt, kann den go-e Charger direkt über die lokale HTTP API v2 einbinden, ohne evcc als Middleware. Die API ist eine REST-Schnittstelle auf V3/V4-Hardware (Gemini, PRO) und funktioniert ohne Internetverbindung .
Funktionsprinzip: HA liest den Netzmesspunkt (z.B. über Shelly Pro 3EM oder den Energiezähler des Netzbetreibers), berechnet den verfügbaren Überschuss und schreibt via REST-API den Zielladestrom in den Charger. Der Ladestrom lässt sich in 1-A-Schritten setzen, in HA-Automatisierungen damit stufenlos regelbar.
Was dabei fehlt: Die Phasenumschaltungslogik (1P ↔ 3P) muss selbst in HA-Automatisierungen implementiert werden. evcc übernimmt das automatisch; in HA ist es manueller Konfigurationsaufwand.
Wann dieser Weg sinnvoll ist:
- HA läuft bereits, kein separater evcc-Server gewünscht
- Spot-Preis-Steuerung soll direkt über HA-Automationen laufen
- Kein Budget für Sponsor-Token (HA-REST-API braucht keinen)
Vergleich der drei Wege
| Eigenschaft | Plug & Play go-e App + Controller | Open Source evcc | DIY Home Assistant REST-API |
|---|---|---|---|
| Zusatzkosten | €249 Controller | Sponsor-Token (4 USD/Mo. od. 150 USD) | keine |
| Heimserver nötig | Nein | Ja | Ja (HA) |
| 1P/3P-Automatik | Ja (automatisch) | Ja (automatisch) | Manuell implementieren |
| Spotpreis-Modus | Nein | Ja | Ja (via HA-Automatisierung) |
| BKW als PV-Quelle | Nein | Ja (als Meter in evcc.yaml) | Ja (als HA-Sensor) |
| Konfigurationsaufwand | Gering | Mittel | Hoch |
| Zum Anbieter | Ansehen | n/a | n/a |
Fazit: Für wen lohnt sich welcher Weg?
go-e Controller + native App: richtig für alle, die keine Heimserver-Infrastruktur haben oder wollen. Der Controller erledigt Überschussladen zuverlässig, ist wartungsarm und braucht kein YAML. Die €249 Extra-Kosten sind gegenüber dem Sponsor-Token mittelfristig teurer (150 USD einmalig vs. €249 Hardware), bieten dafür aber keinen laufenden Abonnementcharakter.
evcc: richtig für alle, die bereits einen Server betreiben, den Min+PV-Modus für zuverlässigeres Laden auch bei wenig Sonne brauchen, oder einen dynamischen Tarif wie Tibber einbinden wollen. Der Gemini flex v1 ist in dieser Kombination die empfohlene Hardware, günstiger als 2.0, alle relevanten evcc-Features vorhanden.
HA REST-API: richtig für Technikaffine, die HA als zentrale Automatisierungsplattform bereits betreiben und keinen zusätzlichen Sponsor-Token ausgeben wollen. Der Konfigurationsaufwand für die 1P/3P-Logik ist real, wer das scheut, ist mit evcc besser bedient.
Die Kombination go-e Charger Gemini + BKW ist unter allen drei Wegen sinnvoll. Kein anderer Markt-Konkurrent bietet diese Tiefe der lokalen API-Dokumentation und die breite Unterstützung in evcc und Home Assistant gleichzeitig. Der einzige echte Vorbehalt: wer auf V2H/V2G wartet, sollte die 2.0-Version im Auge behalten, aber wann das kommt, ist Stand Mai 2026 offen.
Wallbox · Empfehlung
go-e Charger Gemini flex (v1)
ab €559
- Leistung
- bis 22 kW
- 1P/3P
- automatisch
- API
- HTTP v2 lokal
- evcc
- voll integriert
Beste lokale API im Markt
Vollständige evcc-Integration mit Sponsor-Token
Wartungsarm, OCPP 1.6j, Modbus TCP
Sponsor-Token für evcc nötig
Kein integrierter MID-Zähler
Plug & Play
go-e Controller
€249
- Funktion
- Netzmesspunkt
- CT-Clamps
- 6 Stück (100 A)
- Wechselrichter
- unabhängig
- Heimserver
- nicht nötig
Überschussladen ohne YAML
Wechselrichter-unabhängig (CT-Clamp)
Wartungsarm
Kein Spotpreis-Modus
Keine externe PV-Daten-Einbindung
Grid-Meter
Shelly Pro 3EM
- Funktion
- Grid-Meter für evcc
- Phasen
- 3-phasig
- Integration
- evcc / HA nativ
- Einbau
- Hutschiene
Direktes evcc-Template ohne MQTT
Funktioniert mit allen Wechselrichtern
Solider Einstieg ins Energie-Monitoring
Elektriker für die Installation nötig
Misst nur, regelt nicht